Überflüssige Regulierungswut

Umwelt, Landwirtschaft & Verbraucherschutz23. Februar 2020

Die landwirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion und Betreuungsabgeordnete für Waldeck-Frankenberg Wiebke Knell (Schwalm-Eder-Kreis) hat zusammen mit dem FDP-Kreistagsabgeordneten Friedhelm Pfuhl den landwirtschaftlichen Betrieb Meyer in Waldeck-Dehringhausen besucht. Jörg Meyer und seine Frau Susanne Günther mästen dort Puten. Sie bekommen die Tiere als Eintagsküken und ziehen diese bis zur Schlachtreife auf. Neben der Putenmast umfasst der Betrieb noch rund 180 ha Ackerbau und eine 250kw-Biogasanlage. Die Betriebszweige greifen alle ineinander: Der Mist der Ställe wird in der Biogasanlage vergoren, der Stall wird durch die Abwärme geheizt, Getreide für Fütterung und Einstreu wird selbst angebaut.

Hessenweit gibt es gerade einmal rund sieben größere Mastbetriebe für Puten. Der Putenhof Meyer ist für die Initiative Tierwohl (ITW) zertifiziert. Die ITW ist eine Initiative, die von Handel und Erzeugung gemeinsam entwickelt, beschlossen und umgesetzt wurde mit dem Ziel, die Haltungsbedingungen von Nutztieren zu verbessern. Die Vorgaben der ITW sehen u.a. einen geringen Tierbesatz, mehr Beschäftigungsmaterial sowie Strukturen im Stall vor. Dadurch erhalten die Tiere ausreichend Freiraum, so dass ein tiergerechtes Aufwachsen gegeben ist. „Wir werden im Rahmen dieser Vereinbarung mindestens einmal jährlich kontrolliert“, berichtet Jörg Meyer. „Unser Bestand wird von einem Fachtierarzt für Geflügel betreut“, erläutert Susanne Günther „das ist eine Vorgabe der QS-Zertifizierung, die heute im Grunde unabdingbar ist, wenn man über die großen Handelsketten vermarkten will.“

Zu jeder Ausstallung muss der Amtsveterinär vorbeikommen, denn ohne seine Bescheinigung darf kein Tier den Hof verlassen.

„Hier zeigt sich doch, dass Handel, Aufzucht und Tierwohl auch ohne staatliche Regulierung ineinandergreifen können“, stellt Wiebke Knell fest. „Trotzdem versuchte Staatsministerin Hinz in den vergangenen Wochen eine Putenhaltungsverordnung über den Bundesrat in den Bundestag zu bringen. Trotz anderslautender Beteuerungen gegenüber Landwirten in anderen Bereichen hat Frau Hinz abermals nicht den Dialog im Vorfeld gesucht, sondern wollte die Putenhaltungsvorschriften in einem Deal mit der Schweinehaltungsverordnung verquicken“, so Knell. Die im Entwurf vorgesehenen Vorschriften hätten die ITW ausgehöhlt, weil sie noch über den ITW-Standard hinausgingen.

„Das ist einfach kein vernünftiger Umgang mit unseren Landwirten“, resümiert Knell. Sie verspricht, dass die FDP weiterhin ein wachsames Auge auf die Landwirtschaftspolitik haben wird.