Als Förster im Behördendschungel

Ländlicher Raum14. November 2019

Die forstpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion Wiebke Knell (Neukirchen, Schwalm-Eder-Kreis) hat zusammen mit dem FDP-Lokalpolitiker Erhard Niklass den Geschäftsführer der Gérance GmbH Hubertus Freiherr Roeder von Diersburg auf Gut Marienhof bei Wanfried besucht.

Bei einem Gespräch auf dem Betrieb und einem anschließenden politischen Waldspaziergang konnte sich Abgeordnete Knell einen Eindruck von der aktuellen Lage rund um den Forstbetrieb von Gut Marienhof schaffen. Wie überall in Hessen leidet auch der Wald im Werratal unter den Sturmschäden und dem fehlenden Niederschlag der vergangenen beiden Jahre, die zu massiven Käferbefall bei Fichten und diversen Erkrankungen bei anderen Baumarten geführt haben.

„Die Extremsituation in den hessischen Wäldern stellt die Waldbesitzer nicht nur vor große Aufgaben hinsichtlich der Beseitigung des Kalamitätenholzes, sondern auch vor teilweise existenzielle finanzielle Herausforderungen“, erklärt Knell.

Roeder von Diersburg bestätigt das. Für die nun dringend benötigte Aufforstung sieht er ein großes Problem im Bereich der Finanzierung: „Das Förderprogramm zur Beseitigung der aktuellen Schäden ist wesentlich umständlicher und langwieriger als das Förderprogramm zu Sturm Friederike im Jahr 2018. Von den nun von der Landesregierung zugesagten 200 Mio. € sind sowieso leider nur 60 Mio. € für die Privatwälder vorgesehen, der Rest geht an Hessenforst. Ferner limitiert die De Minimis-Regel einen Höchstfördersatz auf 200.000€ innerhalb von 3 Jahren pro Betrieb.“ Nach dem Sturm Frederike und zwei katastrophal trockenen Sommern sei dieses enge Fenster realitätsfremd. Auch seien manche Baumsorten dem Land Hessen als Fördermittelgeber aus ideologischen Gründen nicht genehm, obwohl Douglasie, Roteiche und Küstentanne eine höhere Klimatoleranz als die klassischen Sorten versprechen. Außerdem werde auch in Zukunft ein großer Bedarf an Nadelhölzern bestehen, erklärte der Waldbesitzer.

„Um einen gesicherten Aufwuchs auf den abgeräumten Käferflächen zu gewährleisten, sollten auch Primärbaumarten gefördert werden, weil sie einen entsprechenden Schutzschirm für die späteren Nutzhölzer bilden“, schlug Knell vor, was auf große Zustimmung traf.

Roeder von Diersburg hat auch einen revolutionären Vorschlag, was mit dem zurzeit anfallenden und schwer zu vermarktenden Käferfichtenholz passieren könnte. „Man könnte ehemalige Tagebauanlagen statt mit Wasser zu fluten mit dem Käferholz auffüllen und anschließend mit Erde abdecken. Das in dem Holz gebundene CO2 würde so nicht freigesetzt. So würde auch das Käferholz noch einen Klimaschutzfaktor bilden“, schloss er.

Knell versprach, diesen Vorschlag innerhalb der FDP weiterzugeben, damit eine Umsetzung bundesweit geprüft werden kann. „Das relativ wertlose Käferholz könnte so noch einen wertvollen Beitrag für unser Klima leisten“, stellte sie fest.